Nicht alle, die das erforschen, sind der Meinung, dass die Panik zu den Belegen passt. Professor Peter Etchells, der die psychologischen Auswirkungen digitaler Technologie erforscht, hat gesagt, es gebe keine gute Wissenschaft, die zeige, dass speziell Kurzvideos – im Gegensatz zu Bildschirmzeit im Allgemeinen – das Gehirn einzigartig schädigen. Auch die Medienpsychologin Susanne Baumgartner hat einen ähnlichen Punkt gemacht: Die Belege dafür, dass eine bestimmte Technologie die Intelligenz schädigt, sind weiterhin schwach, und rigorose Studien, die die stärksten Behauptungen stützen, sind selten.
Einige Forscher betrachten das gesamte Phänomen als ein vertrautes Muster. Jede Generation hatte eine technologiegetriebene Freizeitgewohnheit, die bei der vorherigen Generation Besorgnis auslöste – und „Brain Rot" könnte die Version dieser sich wiederholenden Sorge in unserer Ära sein, eher kulturelle Angst als klinischer Befund.
Beides kann gleichzeitig wahr sein, und das ist die ehrliche Lesart. Die Ergebnisse der Meta-Analyse zu Aufmerksamkeit und inhibitorischer Kontrolle sind real, gemessen und über eine große kombinierte Stichprobe reproduziert. Die Behauptung, dass Kurzvideos das Gehirn junger Menschen einzigartig und katastrophal umverdrahten, ist im Vergleich zu dem, was die Belege tatsächlich stützen, übertrieben. Die vernünftige Mitte: Mit Aufmerksamkeit und Impulskontrolle passiert etwas Messbares, und es ist wichtig, das ernst zu nehmen, ohne jede virale Behauptung darüber als gesicherte Wissenschaft zu behandeln.